Amerikas Politik in der Ära von Donald Trump

Dr. Peter Wolson
 

Die Kernthese dieses Aufsatzes postuliert in der aktuellen amerikanischen Politik unter Trump einen unbewusster psychodynamischer Trend, einen Konflikt zwischen pathologischem Narzissmus und einer vom

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Es lassen sich meiner Ansicht nach zwei wesentliche psychodynamische Haupttrends konstatieren, von der die Amerikanische Politik heutzutage bestimmt und angetrieben wird: 1) Die von ‘dem Anderen’ ausgehende psychologische Gefahr, die das ‘Selbst’ vermeintlich bedroht, und 2) der von einer defensiven Einstellung herrührende Hass auf den ‘Anderen’ und dessen Entwertung, um dadurch die Integrität und den Zusammenhalt des ‘Selbst’ zu schützen. Solche Abwehrstrategien sind fraglos die Manifestation von einem pathologischen Narzissmus. In diesem Zusammenhang zu nennen wären nun unter anderem der gegenseitige Hass der gegnerischen Parteien der Demokraten und der Republikaner, der Hass auf Frauen, der Hass auf Immigranten und Minoritäten, wie: Schwarze, Mexikaner, andere Latinos, Juden, Muslime, Asiaten, LBGTQ Personen und Ureinwohner Amerikas. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte ist in Amerika eine narzssitische Regression sondergleichen zu verzeichnen, und zwar hin zu einer Stammes- und Identitätspolitik, die schließlich in der Wahl eines Präsidenten gipfelte, der allem Anschein nach an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, und der eine selbst-zentrierte Politik verficht, wo es entweder heißt ‘Amerika zuerst’ oder ‘ich zuerst’. So viele von Trumps politischen Entscheidungen sind eine Widerspiegelung von einem typischen narzisstischen Misstrauen gegenüber Abhängigkeit, wie es besonders evident wird in seinem Austritt aus internationalen Schutz-, Handels- und Klimaabkommen, aber auch in seinem Hang, sich ‘über das Gesetz’ zu stellen, was dann ja auch zu seinem Amtsenthebungsverfahren geführt hat.  

Wie lässt sich der Stammeskrieg zwischen den Demokraten und Republikanern erklären, der zu einer radikalen Polarisierung und Paralysierung des Kongresses geführt hat? Diese Polarisierung lässt sich bis auf die Amtszeit von Präsident Bill Clinton zurückverfolgen und auf die festgefahrene Situation im Anschluss an George W. Bushs Wahlsieg über Al Gore. Ich halte es für mehr als wahrscheinlich, dass der erfolgreiche politische Kompromiss zwischen Bill Clinton und den Republikanern der Auslöser dafür war, dass es schließlich zu diesem Stillstand gekommen ist, hatte doch dieser Kompromiss letzlich gewissermaßen zu einem Verlust der ursprünglichen Identität der beiden Parteien geführt. Dadurch, dass sie in einer Grauzone des Kompromisses untergingen, waren die beiden Parteien nunmehr gezwungen, ihr Schwarz-Weiß-Denken und ihr ursprüngliches ideologisches Selbstverständnis teilweise aufzugeben. In einem in der Los Angeles Times im Januar 1999 unter dem Titel ‘Der im Spiegel sichtbar werdende Hass auf den Politiker’ von mir veröffentlichten Artikel kam eben diese Psychodynamik unmissverständlich zum Ausdruck. Was mich am meisten verwunderte, war der Umstand weswegen gerade Bill Clinton, der konservativste aller der Partei der Demokraten angehörende Präsident, von den Republikanern offensichtlich weitaus intensiver und leidenschaftlicher gehasst wurde, als das bei früheren liberalen amerikanischen Präsidenten der Fall gewesen war. Hätte man sich nicht vielmehr meinen können, dass die Republikaner einen Demokraten bevorzugen würden, der ähnliche Werte vertritt wie sie selber? 

Clinton war ein rechts von der Mitte stehender ‘Republikrat’, wenn man so will. Er unternahm den Versuch, das Sozialversicherungssystem zu privatisieren und unterstützte den Globalismus von NAFTA – was bis zu Trumps Präsidentschaft eine der Forderungen der Republikaner gewesen war – und er verlangte von Empfängern von Sozialleistungen, dass sie für ihren Sozialhilfebeitrag arbeiten sollten und befürwortete sogar Einsparungen, wodurch ärmeren Schulkindern das Geld für die Mittagsverpflegung gestrichen wurde. Viele Demokraten hassten ihn für diese Politik.

In dem oben erwähnten Zeitungsartikel habe ich die verblüffende Intensität des Hasses der Republikaner auf Clinton anhand von Freuds Konzept des ‘Narzissmus der kleinen Differenzen’ zu erklären versucht. Indem Clinton gewisse Forderungen der Republikaner in sein politisches Programm übernahm und umsetzte, vereinnahmte und neutralisierte er im Endeffekt deren politische Identität. Und dieser von den Republikanern gewissermaßen als eine existentielle Bedrohung erlebte Umstand war meiner Auffassung nach auch der hauptsächliche unbewusste Beweggrund, alles dafür zu tun, Bill Clinton politisch zu zerstören, mit der unbedingten Absicht, als eine eigenständige Partei  mit einer eigenen Identität zu überleben. Nachdem sie ein Amtsenthebungungsverfahren gegen Clinton erwirkt hatten, waren sie dann allerdings immer noch bereit dazu, ihre eigenen konservativen politischen Ziele hintanzustellen, um parteiübergreifende Gesetze zu verabschieden und den Haushalt auszugleichen. Clinton verliess sein Amt mit einem ansehnlichen Überschuss in der Staatskasse, nicht mit Staatsschulden in Höhe von 21 Billionen Dollar, die übrigens heute immer noch dabei sind weiter zu steigen.
 
Im Anschluss an George W. Bushs Wahlsieg über Al Gore kam im Kongress ein Verhältnis von 50 zu 50 Prozent von Republikanern und Demokraten zustande. Nun stellte sich die hochaktuelle Frage, ob die Parteien zum Wohle des Landes auch weiterhin noch kompromissbereit sein würden, oder ob es zu einem sinnlosen und primitiven Kräftemessen und einer nachfolgenden festgefahrenen Situation kommen würde. Um dieser Frage im Einzelnen nachzugehen, schrieb ich für die Los Angeles Times unter der Überschrift ‘Amerikas geistige Verfassung: Gesund und geteilt’ (26. November, 2000) einen Zeitungsartikel, worin ich mir eingehend Gedanken machte über die inneren Objektrepräsentationen der Psyche der Demokraten im Unterschied zur Gesinnung der Republikaner.  

Die von mir aufgestellte Hypothese lautete, dass die Regierungsvorstellung der demokratischen Partei im Wesentlichen der einer mächtigen und fürsorglichen Mutterfigur entsprach, die die Bedürftigen und Benachteiligten beschützt und für sie Sorge trägt. Nun war im Gegensatz dazu die Verkörperung des republikanischen Ideals eine starke Vaterfigur, die die Menschen dafür belohnte, wenn sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernahmen, weswegen sie zu Eigeninitiative ermutigt wurden. Die demokratische ‘nährende Brustmutter’-Regierung befriedigte demzufolge das fundamentale menschliche Bedürfnis, von einem großzügigen Elternteil umsorgt und geliebt zu werden, während die republikanische Vaterfigur dem Bedürfnis gerecht wurde, sich von der elterlichen Herrschaft zu befreien, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen und sich seine eigene Zukunft zu sichern.

In dem Zeitungsartikel habe ich unter anderem geschrieben:

 

In psychologischer Hinsicht kollidiert das menschliche Bedürfnis nach mütterlicher Fürsorge oftmals mit dem gleichermaßen intensiven Streben nach Autonomie.

Auf politischer Ebene versuchen die Amerikaner diesen persönlichen Konflikt dadurch zu lösen, dass sie derjenigen Partei ihre Stimme geben, die ihr am stärksten vorherrschendes inneres Bedürfnis repräsentiert und diesem demzufolge am meisten entgegenkommt.

Amerikaner, die traditionsgemäß in umfassenderem Maße auf Hilfe, Pflege und Fürsorge angewiesen sind – Frauen, Arbeiter,  Alte, Behinderte, Immigranten, bestimmte ethnische und religiöse Minderheiten, Schwule, etc. – und auch diejenigen Amerikaner, die sie unterstützen und protegieren, wählen aller Wahrscheinlichkeit nach die Demokraten. Diese Wähler verstehen unter liberal so etwas wie die Großzügigkeit einer auf das Wohl des Volkes bedachten Regierungsstruktur. Dagegen betrachten sie die Republikaner als gefühllos, hartherzig und raffgierig, eine Partei ausschließlich der Reichen und Mächtigen, die für sich fordern, dass die Regierung hinter ihren offensiven und selbstsüchtigen (häufig unternehmerischen) Bedürfnissen und Forderungen steht.

Für liberale Demokraten ist konservativ somit häufig gleichbedeutend damit, dass man den Armen, Bedürftigen und Hungerleidenden die notwendige Unterstützung vonseiten der Regierung vorenthält, und zwar durch steuerliche Tricks und dadurch, dass man den Beschäftigten die niedrigsten, gesetzlich gerade noch erlaubten Löhne und Unterstützungsleistungen zahlt, ‘Mutter Erde’ aus reiner Profitgier ausbeutet, und dabei dann auch nicht davor zurückschreckt, dadurch gewaltbereitem Machoverhalten bis hin zur tatsächlichen Anwendung von  Waffengewalt Vorschub zu leisten. Auch betrachten liberale Demokraten die Republikaner, welche sich für ein absolutes Abtreibungsverbot aussprechen, als willfährige Erfüllungsgehilfen für die Zerstörung des Lebens einer Frau, und zwar unter dem Vorwand, für das Recht des Fötus auf Leben einzutreten, ohne dabei zu bedenken, worauf dieses Durchsetzen der vitalen Interessen des ‘Kindes’ letzlich hinausläuft, nämlich sie potentiell einer gegnerischen undmörderischen mütterlichen Autorität auszusetzen.

Im Unterschied dazu werden diejenigen Amerikaner, die sich an die moralischen und ethischen Grundsätze der Eigenständigkeit halten und das Recht des Individuums verfechten, über sein Leben, sein Geld und sein Eigentum selbst zu bestimmen, und zwar mit möglichst geringer Einmischung bzw. Beeinträchigung vonseiten des Staates, dann folgerichtig einer paternellen republikanischen Regierung ihre Wählerstimme geben. Für diese Wähler repräsentiert die Regierung eine mächtige, kontrollierende Elternfigur, sozusagen ein notwendiges Übel, das als potentielle Bedrohung für die individuelle Autonomie angesehen wird, und zwar dadurch, dass sie den Bürgern das selbstverdiente Geld durch übertriebene Steuerauflagen wieder wegnimmt bzw. ‘stiehlt’. Die ideale republikanische Regierung ist diejenige, die die Menschen weder verwöhnt noch bevormundet, indem sie ihnen etwa schützend unter die Arme greift, sondern sie vielmehr dazu verpflichtet und von ihnen erwartet, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Darüber hinaus wird von einer solchen Regierung erwartet, dass sie individuelle Initiativen durch Steuervergünstigungen protegiert. (Wolson, 2000)

Bedauerlicherweise stellen politische Krisen nicht lediglich ein historisches Phänomen dar, sondern sie betreffen uns auch heute ganz aktuell und drohen die Amerikanische Regierung immer mehr lahm zu legen und zum Erliegen zu bringen. Wie bereits weiter oben erläutert, stellt die moderate, zentristische Grauzone des Kompromisses, i.e. ein mündiges und verantwortungsvolles Umgehen mit Ambivalenz, in gewisser Weise eine potentielle Bedrohung für die sich abgrenzende politische Identität einer Partei dar, womit sich erklären lässt, weswegen es heute so wenig gemäßigte Republikaner gibt. Wie das Mittelkind in einer Reihe von älteren und jüngeren Geschwistern, stehen sie ständig in Gefahr in diesem Stühlerücken bzw. Hin und Her von Positionen verloren zu gehen, was wiederum die unübersehbare Verführungs- und Anziehungskraft verständlich macht, die von solch polarisierenden extremen Positionen ausgeht, wie sie etwa von der Republican Tea Party verteten werden, aber auf der anderen Seite auch von den Demokratischen Radikalen, wie AOC und Bernie Sanders. 

Trotzdem hat es den Anschein, als würde sich die allgemeine Lage derzeit zugunsten der Demokratischen Partei verschieben, deren gegenwärtig hoffnungsvollste Anwärter auf die Präsidentschaft, wie etwa Joe Biden, Pete Buttigieg und Mike Bloomberg, zu den gemäßigteren Politikern der Mitte zählen. Und es haben ja auch eine nicht geringe Zahl von demokratischen Politikern der Mitte bereits die Wahlen im Jahr 2018 für sich entscheiden können. Der Trend zurück zur Mitte könnte als eine Reaktion auf die polarisierende Politik der Trump-Administration gedeutet werden. Es sieht ganz so aus, als müsste die Identität einer politischen Partei genügend ausgeprägt und gefestigt sein, um dann notfalls das Risiko auf sich zu nehmen, ideologische Kompromisse einzugehen, ohne deswegen gleich befürchten zu müssen, als schwach und uneinheitlich oder gar gespalten zu gelten.

Die existentielle Bedrohung durch ‘den Anderen’ wurde zu einer furchteinflößenden Realität durch die terroristischen Anschläge vom 11. September. Mit der Begründung, die nationale Integrität stehe auf dem Spiel,  reagierte der seinerzeit amtierende, in seinem narzisstischen Stolz verletzte Präsident George W. Bush und seine Regierung mit einem Gestus defensiver Grandiosität, wie sie typisch ist für eine Ideologie des ‘Amerika ‘über alles und einer auf einseitiger und alleiniger Berechtigung basierenden Kriegspolitik, die etwa eine Zweistaatenlösung von vorneherein ausschließt. Wenn Amerika sich bedroht fühlte, so hatte es auch das Recht, einen Krieg gegen jedes Land anzufangen, und zwar auch ohne die vorherige Zustimmung vonseiten der internationalen Gemeinschaft. Die offenbar einzig denkbare Alternative war, zu töten oder getötet zu werden. Die Bush-Administration misstraute den Vereinten Nationen, der NATO und den internationalen Beziehungen, weil sie befürchtete, wenn sie sich von anderen Ländern abhängig machen würden, von diesen unweigerlich ausgenutzt und übervorteilt zu werden, etc. Die selben narzisstischen Tendenzen treten auch heute in der Trump-Administration wieder massiv in den Vordergrund, zu beobachten etwa in dem Präventivschlag gegen den iranischen General Quasem Soleimani, der zu seiner Ermordung führte, ohne jedwede Rücksichtnahme auf die nationale Verwundbarkeit des Iran und darauf, was für militärische und ökonomische Auswirkungen dies in der Beziehung zu Amerika haben würde.

Hierin manifestiert sich Trumps narzisstisch begründete, übertriebene Angst vor Immigranten, dem fremden ‘Anderen’, welcher Amerikas Grenzen bedroht, d.h., seine Ich-Grenzen, was das Bedürfnis nach einer unüberwindbaren Barriere nur noch verstärkt, welche als Schutzfestung dienen soll, um die Vereinigten Staaten gegen fremde und ausländische Ausbeutung abzuschotten und sich so dauerhaft in eine Art von ‘splendid isolation’ zurückzuziehen .

Freud hatte einen genialen Einfall, der uns eine indirekte Erklärung liefert, weswegen der Hass auf ‘den Anderen’ der menschlichen Psyche immanent ist. In einem für die Huffington Post (2008) von mir verfassten Artikel habe ich diesbezügloch geschrieben:

 

Wir beginnen das Leben im Mutterleib, in physischer und psychischer Verschmelzung und Einheit mit unserer Mutter, wobei wir über ihren Blutkreislauf mit Nahrung und Sauerstoff  versorgt werden.

Noch gibt es keinen Unterschied zwischen unserer inneren mentalen Welt und der äußeren physischen Welt. In dem Moment, wo die Nabelschnur durchtrennt wird, sind wir dann zwar physisch von unserer Mutter abgeschnitten und getrennt, doch auf einer psychischen Ebene sind wir immer noch eins mit ihr. Wir erleben alles, einschließlich der uns umgebenden äußeren Welt, als Teil unseres Selbst. Sigmund Freud hat diesen Zustand als primären Narzissmus bezeichnet.

Doch dann erfährt bei der Geburt unser zunächst im Mutterleib vollkommen aufgehobenes, paradiesisches Dasein zum erstem Mal eine einschneidende und tiefgreifende Erschütterung, sobald nämlich Licht und Lärm auf uns einstürmem und wir Hunger und Schmerz ausgeliefert sind. Wir sind mit einmal einer Unmenge von aversiven Stimuli ausgesetzt, man könnte vielleicht sagen, der ersten Repräsentation ‘des Anderen’, was von uns als immens frustrierend und bedrohlich für unsere Existenz und unser Omnipotenzgefühl erlebt wird und Wut und Hass in uns auslöst. Unser Hass auf ‘den Anderen’ bleibt auf einer unbewussten Ebene in unserer späteren Entwicklung fortan auch weiter bestehen. In einem sehr frühen Lebensalter idealisieren wir unsere Eltern und halten sie für die besten Eltern der Welt und reagieren auf Fremde mit banger Ängstlichkeit und widerstrebender Abneigung.

Der Hass auf ‘den Anderen’ stellt gewissermaßen den Versuch dar, uns unsere ursprüngliche archaische Verschmelzungserfahrung im Mutterleib zu bewahren, die unbewusst nach wie vor in unserer psychischen Innenwelt weiter existiert.
 
Das Gegenmittel für diesen unseren Hass auf ‘den Anderen’ ist Empathie. Indem wir uns durch empathisches Feingefühl und Veständnis immer mehr mit dem Anderen vertraut machen, können die Angst vor und der Hass auf den ‘Anderen’, einschließlich der toxischen Projektionen von ‘Bösem’ in ihn hinein, sukzessive in einen psychischen Zustand übergehen, wo wir den Anderen zu sehen und zu lieben beginnen wie uns selbst, d. h., ihn als einen Teil einer einzigen großen menschlichen Gemeinschaft akzeptieren lernen. (Wolson, 2008)

Die administrative Pattsituation im Kongress setzte sich auch in Präsident Obamas Regierungszeit fort, und zwar dadurch, dass der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, Obamas Gesetzesinitiativen gezielt blockierte. Die Wahl zum Präsidenten durch das Wahlmännergremium von Donald Trump, einer engstirnig bigotten, narzisstischen 'weiß'-nationalistischen Autoritätsfigur, mitsamt der nachfolgenden rückschrittlichen Zurückentwicklung hin zu einer als längst überwunden geglaubten Stammes- und Identitätspolitik, was einem ‘weißen Peitschenhieb gleichkam, lässt sich meiner Ansicht nach letztlich nur durch eine narzisstische Abwehr erkären, wobei die politische Vormachtstellung weißer Männer gegen die vermeintliche Bedrohung vonseiten einer rasant anwachsenden Bevölkerung multikulturellen Charakters in Amerika unter allen Umständen und um jeden Preis geschützt werden sollte (Wolson, 2017).

Nun ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Präsidentschaft Barack Obamas und dann die Wahlkampfkampagne von Hillary Clinton für den schließlichen Wahlsieg von Donald Trump teilweise mit verantwortlich waren. Was Hillary Clinton betrifft, so rief die bedrohliche Vorstellung, eine kühle, selbstsichere und ambitionierte Frau könnte Amerikas nächste Präsidentin werden, massive Widerstände hervor, und zwar nicht nur bei den Republikanern, sondern auch bei den Demokraten, bei den Frauen sowie bei den Männern. Nationale Misogonie bzw. Frauenfeindlichkeit gewannen die Oberhand. Die ‘Andersheit’ von Obama und Hillary Clinton, sowie die zunehmende multikulturelle Bedrohung für die weiße männliche Hegemonie in Amerika führten meiner Auffassug nach schließlich zu einer narzisstischen Regression hin zu einer emotionalen Stammesidentifikation und einer Degradierung der zuvor bestehenden amerikanischen Wertevorstellungen von Ethik, Moral und Vernunft.  

Selbst nach dem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump werden die Republikaner nach wie vor Trump ihre Wählerstimme geben, weil sie sich darauf verlassen können, dass er bedingungslos hinter ihren ökonomischen und sozialen politischen Vorstellungen steht. Der Unterstützung durch die Evangelikaner und die Katholiken kann sich Trump aus dem Grund weiterhin sicher sein, weil er für ein von ihnen gefordertes sozial konservatives Rechtsverständnis steht, auch wenn das geichzeitig bedeutet, dass sie damit entgegen ihrer sonstigen religiösen Wertvorstellungen einem unmoralischen, skrupellosen und korrupten Individuum ihre Wählerstimme geben. Solange eine christliche, heterosexuelle Kultur, sowie eine von weißer männlicher Hegemonie geprägte Kultur in den Vereinigten Staaten von Amerika in der Mehrheit waren, konnte die ‘Andersheit’ von Minoritäten noch mehr oder weniger toleriert werden. Aber in dem Moment, wo Schwarze, Mexikaner, Asiaten, Muslime etc . in immer größer werdender Zahl in bisher ausschließlich der weißen Bevölkerung Amerikas vorbehaltenen Gemeinden und Kommunen sesshaft wurden, was zusätzlich noch verstärkt wurde durch die traumatischen Nachwirkungen der terroristischen Anschläge vom 11. September gegen unser Land, gab dies den Ausschlag, jetzt zu einem dem Selbstschutz und der Selbstverteidigung dienenden ‘weißen Peitschenhieb’ auszuholen. Die Präsidentschaft Barack Hussein Obamas und die Nominierung Hillary Clintons brachten das Fass dann endgültig zum Überlaufen, da sie der weißen männlichen Hegemonialherrschaft den Todesstoß zu versetzen drohten. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten wurde buchstäblich zur Verkörperung dieser oben erwähnten narzisstischen Regression.    

So kann man sagen, dass offensichtlich sowohl die Republikaner als auch die Demokraten den politischen Kompromiss als Gefährdung erleben, weil sie befürchten, dadurch ihre fundamentale ideologische Identität als Partei einzubüßen, was wiederum einer regressiven Tendenz hin zu einer primitiven Spaltung Vorschub leistet, um so die Identität der Partei wiederherzustellen und zu festigen. Meine Hoffnung geht nun dahin, dass Amerikas Gesellschaft zunehmend multikulturell wird und dass durch den Umstand, dass die weiße Hegemonie immer mehr in den Hintergrund rückt, beide politischen Parteien immer mehr an innerem Zusammenhalt, Standfestigkeit und Integrität hinzugewinnen, um schließlich besser darauf vorbereitet zu sein, sich auf die Grauzone des Kompromisses und der Kooperation einzulassen, um auf diese Weise einen rückschrittlichen, primitiven Stillstand künftig zu verhindern. 

Literatur
Wolson, P. (January 24, 1999). Hating the Politician in the Mirror. Los Angeles Times OPINION Section, M.
Wolson, P. (November 26, 2000). America’s State of Mind: Healthy and Divided. Los Angeles Times OPINION Section, M.
Wolson, P. (October 16, 2009). America’s Racism: Hatred of ‘The Other’ in the 2008 Presidential Election. Huffington Post.
Wolson, P. (August 9m 2017). America’s ‘White-Lash’ and the Degradation of reason. Huffington Post. 
 
Aus dem Englischen übersetzt von M.A. Luitgard Feiks und Jürgen Muck.
 

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